24.02.2016

Kritik am Umgang mit Kunst

Die MOZ berichtete am 17.02.2016 über die Veranstaltungsreihe "Mein Leben" (My Life), die am 15. Februar in der Frankfurter Stadtbibliothek statt fand. Als Gast sprach dort Wilfried Pröger über sein Leben, dass ihn u.a. auch als SED-Kulturfunktionär nach Frankfurt (Oder) führte. Zehn Jahre lang, von 1969 bis 1979, war Wilfried Pröger hier Stadtrat für Kultur. Obwohl ich kein SED-Sympathisant bin, so stimme ich in einem speziellen Punkt mit Herrn Pröger überein: Während der My-Life-Veranstaltung äußerte Pröger offene Kritik am Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum im heutigen Frankfurt.

An seine Kritik knüpfte ich am 17.02.2016 an mit diesem MOZ-Leserkommentar:
Seine offene Kritik am Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum in Frankfurt übt Wilfried Pröger zu Recht aus. Aber nicht nur er kritisiert diesen laxen Umgang. Ich ergänze hier: Eigentum verpflichtet - unter anderem zur Sicherung des Eigentums. Es ist das Eigentum der Stadt Frankfurt, also das Eigentum von uns allen Frankfurtern. Die in Frankfurt für die Kunst Verantwortlichen hätte man spätestens nach dem Diebstahl der "Großen Badenden" zur Kasse beten müssen, wenn erneut Kunst aus dem öffentlichen Raum gestohlen oder zerstört wurde. Wir leben seit 1989/90 nicht mehr in der kleinen ummauerten DDR, sondern in einem globalisierten Mitteleuropa mit all seinen positiven und negativen Folgen. Spätestens nach Dezember 2007 (Abschaffung der Grenzkontrollen) hätte ein neues SVV-Konzept hergehört in Bezug auf die Kunst im öffentlichen Frankfurter Raum! Die Frankfurter Kunst-Verantwortlichen sind scheinbar noch immer nicht in der Realität angekommen und lassen zu, dass Frankfurt weiterhin ausgeplündert wird.

Jetzt haben Verantwortliche der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder) plötzlich reagiert. Eine MOZ-Journalistin berichtet darüber am 24.02.2016 unter der merkwürdig verquasten Überschrift "Stadt verbirgt Kunst vor Dieben". Scheinbar hat die Dame von der schreibenden Zunft den Ernst, der sich aus der Frankfurter Grenzlage ergibt, noch immer nicht begriffen. Ihr Einleitungssatz macht dies deutlich. Ich zitiere den Artikel:

"Frankfurts eigentlich reiche Landschaft an Kunst im öffentlichen Raum ist um drei Skulpturen ärmer. Am Montag ließ die Stadt drei prominente Bronzefiguren abbauen und einlagern. Hintergrund sind die vermehrten Diebstähle in den vergangenen Wochen. Entfernt wurde Werner Stötzers "Mädchenakt" aus dem Lennépark; ebenfalls eingelagert wurde die "Schwimmerin" von Fritz Cremer, die bisher am Oderufer stand, und das "Große Martyrium" von Wieland Förster, das seit 1995 an der Konzerthalle zu betrachten gewesen war.

"Wir bedauern diesen Schritt, sehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber keine andere Möglichkeit, besonders die kleineren Bronzeskulpturen im öffentlichen Raum unserer Stadt wirkungsvoll vor Vandalismus und Übergriffen zu schützen", begründete Oberbürgermeister Martin Wilke den Schritt. Bisher hatte die Stadtverwaltung nach Diebstählen immer argumentiert, man dürfe nicht kapitulieren und rein defensiv handeln.

Insgesamt gibt es im öffentlichen Frankfurter Raum 47 Bronzeskulpturen. Die drei nun entfernten galten aufgrund ihrer Größe und ihres Standortes als die gefährdetsten.

Ziel ist es nun laut Wilke, sie schnellstmöglich wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Während man über alternative Standorte nachdenkt, will man die Kunstwerke aber sicher wissen.

Anfang Februar war es zu verstärktem Vandalismus und Diebstählen gekommen. Entwendet wurde die Büste von Werner Seelenbinder aus dem Stadion sowie Wieland Försters "Penthesilea" aus dem Garten des Kleist Museums. Schon am 1. Februar war im Lennépark die "Junge Frau" von Wilfried Fitzenreiter mit brutaler Gewalt vom Sockel gestoßen worden - sie blieb allerdings liegen und wird derzeit repariert. Vermutet wird, dass es den Dieben um den Wert des Metalls geht. Sie gingen jeweils mit größter Kraftanstrengung vor, um die Bronzen aus ihren Verankerungen zu brechen.

Mit dem "Mädchenakt" aus dem Lennépark verschwindet eine Skulptur, die erst seit wenigen Jahren wieder zu sehen war. Es handelt sich dabei um einen Nachguss, der 2012 aufgestellt wurde. Das Original, das seit den 70er-Jahren im Lennépark gestanden hatte, war 1992 gestohlen worden.

Wie man perspektivisch mit Kunstwerken in der Stadt umgehen will, berät am Montag der Sicherheits- und Präventionsrat, der zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen wird."

Ich meine: Ein anderer Umgang mit Kunst ist notwendig!

Frankfurt (Oder) ist nicht um die drei abmontierten und gesicherten Bronze-Kunstwerke ärmer, sondern um jene Kunstwerke, die in den letzten Jahren aufgrund ihrer ungesicherten Präsentation von Kriminellen gestohlen wurden. Diese Kunstwerke sind wahrscheinlich für immer verloren. Das ist die Wahrheit!

Ich plädiere dafür, wertvolle Kunstwerke vor allem dort zu präsentieren, wo eine soziale Kontrolle durch Besucherverkehr gegeben ist, zum Beispiel in Einkaufscentern, im Kleist-Forum, der Konzerthalle oder anderen bewachten Institutionen. Dort können Kunstwerke wesentlich stärker von Frankfurtern und Gästen wahrgenommen werden.

17.02.2016

Durch die Landschaft der Malerin Elfriede Thum


Mein Abstand war zu gering: Leider bekam ich nicht alle 37 Wanderer auf das Foto.
Bitte das Vorschaufoto anklicken, um das Foto in Originalgröße zu sehen!

Informationen über Elfriede Thum enthält auch diese PDF-Datei (861 KB):
Bitte hier kostenlos Anschauen / Abspeichern / Drucken!



Meiner Einladung zu einer 12-km-Wanderung am 17.02.2016 mit dem Thema: "Durch die Landschaft der Malerin Elfriede Thum" folgten 37 Wanderer! Nach einer 20-minütigen Freiluft-Ausstellung mit Bildkopien der Elfriede Thum starteten wir gegen 10 Uhr am Frankfurter Comic-Brunnen.

Die Malerin Elfriede Thum (1886-1952), an deren 130. Geburtstag wir uns in diesem Jahr erinnern, war eine der bedeutendsten Berliner Expressionistinnen. Seit ihre Gemälde 1912 erstmals in der berühmten Galerie Cassierer neben Arbeiten von Vuillard, Sisley, Courbet und Pissarro gezeigt wurden, hatte sich die Künstlerin, die stets nur mit ihrem Nachnamen signierte, das männliche Pseudonym Erich Thum zugelegt. Und in der Tat, der Erfolg schien ihr Recht zu geben: Die Bilder eines vermeintlichen Mannes verkauften sich tatsächlich besser als die einer Frau.Ihr kraftvoller eigenständiger Malstil mit glühenden Farben ließ sie bald zu einem der bedeutendsten Berliner „Expressionisten“ werden. Als ihr männliches Pseudonym 1920 anlässlich einer Einzelausstellung in der Berliner Galerie Ferdinand Möller durch einen Journalisten aufgedeckt wurde, war Berlin um einen kleinen Skandal reicher. Inzwischen war man aber eher bereit, zu akzeptieren, dass auch eine Frau „fernab aller Damenmalerei“ (Paul Fechter) tätig sein konnte. Ab 1911 lebte + arbeitete sie zeitweise im Frankfurter Ortsteil Güldendorf in ihrer "Villa Thum".

1937 konstatierten die neuen Machthaber „offensichtliche Entartungserscheinungen“ in ihrer Malerei und sprachen ein generelles Ausstellungsverbot aus, wobei der „Herr Reichsminister“ jedoch auf eine Beschlagnahmung ihrer Bilder verzichtete.


Im Krieg mehrfach ausgebombt, ist nur ein relativ kleiner Teil von Elfriede Thums Werk erhalten. Die Künstlerin starb 1952 auf Grund ihrer mangelhaften Ernährung an einer Lungenentzündung. Bereits 1955 wurde Elfriede Thum anlässlich der Berliner Festwochen erstmals mit einer Retrospektive im Rathaus Wilmersdorf geehrt. Das Bild "Bunter Herbst" von Elfriede Thum hängt seit dem 06.05.2014 im Frankfurter Rathaus.
Die Villa Thum wurde während der Kämpfe im Frühjahr 1945 beschädigt, die Reste des Hauses später abgerissen. Heute zeugen noch die beiden Säulen - links und rechts am Fuß der ehemaligen Eingangstreppe - vom Schaffensort der Malerin Elfriede Thum.

Während der Wanderung befestigten wir provisorische Schilder aus Papier und Klarsichtfolie, die auf den Wanderweg und die "Villa Thum" aufmerksam machen!

So könnten die neuen Wegschilder einmal aussehen, sobald Sponsoren gefunden sind.
Solche Schilder (mit anderem Text) stehen bereits im Frankfurter Stadtwald.


Anlässlich ihres bevorstehenden 130. Geburtstages schlage ich vor, den Weg zwischen dem Südeingang der Insel Ziegenwerder und Güldendorf, als „Elfriede-Thum-Wanderweg“ zu markieren (siehe Karten-Ausschnitt links). Im Gegensatz zur aufwändig gestalteten „Kleist-Route“ reichen dafür einfache grüne Wegschilder (siehe Beispiele oben) und am ehemaligen Standort der "Villa Thum" ein Informationsschild, das mittels QR-Code auf weitere Internet-Informationen verweist. Weiterhin empfehle ich der Stadt Frankfurt (Oder), bei einer notwendigen Straßen-Neubenennung an die Künstlerin mit einer "Elfriede-Thum-Straße" zu erinnern. Elfriede Thum ist ein Teil des kulturellen Erbes der Stadt Frankfurt (Oder). 

 Bitte auf ein kleines Vorschaubild klicken = Großansicht! 
Bilderquelle: Galerie Barthelmess & Wischnewski (Berlin)

Wanderfreund Wolfgang Streck hat zahlreiche Fotos in 15 Collagen verarbeitet: