25.10.2007

Frankfurt (Oder) hält einen traurigen Rekord in Brandenburg

Am 22.09.2007 meldete dpa/mbo/moz:
"Die ärmsten Kinder Brandenburgs leben in Frankfurt (Oder). Dies geht aus einer Studie der Agentur für Arbeit vom Juni 2007 hervor, die der Deutsche
Kinderschutzbund (DKSB) anlässlich des Weltkindertages veröffentlicht hat. Als arm gelten diejenigen Kinder, die in einem Haushalt leben, dem monatlich weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens, 938 Euro, zur Verfügung steht. In Frankfurt (Oder) betrifft dies 30 Prozent der Kinder unter 18 Jahren! ..."

08.10.2007

Zum Dokumentarfilm „Volkseigener Krause“

Erstmals hat ein Dok-Film einer Wessi-Frau fast 700 grauhaarige Frankfurter in der Marienkirche dazu gebracht, sich in einer öffentlichen Gruppentherapie-Sitzung mit ihrer DDR-Vergangenheit zu beschäftigen. Diese Veranstaltung hat vor allem eines gezeigt: Nur durch 25jährige Selbstverleugnung und Totalanpassung an das herrschende SED-Regime konnte der halbgebildete Herr Krause diese Funktion ausüben. Bekannt ist, dass Herr Krause lediglich eine Parteihochschule von innen gesehen hat. Bekannt ist eben auch, dass in den Reihen von DDR-Funktionsträgern eine Krankheit stark grassierte: der Alkoholismus. Der Leiter des Büros Krause war dafür z.B. bekannt und berüchtigt. Nur mit starken Getränken haben viele dieser SED-Parteigänger jene Widersprüche und Missverhältnisse ausgehalten, die letztendlich trotzdem das System DDR zum Einsturz brachten. Viele Familienmitglieder haben in der DDR unter dieser Krankheit mitgelitten. Bekannt ist z.B., dass der Sohn des Herrn Krause an den Widersprüchen seines angepassten Vaters verzweifelt ist und ein stadtbekannter Trinker war.

Enttäuschend ist die Naivität der Wessi-Regisseurin, die lediglich symbolhafte Orte ausgewählt hat, um Herrn Krause eine Plattform zur Selbstdarstellung zu bieten. Verständlich deshalb die Enttäuschung vieler Besucher, die ihre Erwartungen an den Film getäuscht sahen. Andere Zuschauer zeigten bei der Film-Präsentation, was sie noch immer am meisten verdrängen: die DDR-Wirklichkeit.

Bodenwellen als Denkanstöße!

Welch ein Aufschrei der Autofahrer würde durch das Land Brandenburg hallen, wenn die Autostraßen so voller Bodenwellen wäre, wie viele der alten und auch nach der Wende gebauten Radwege. Dem Finanzminister würden die Ohren klingen. Aber ein Argument sollte in die Debatte einfließen: Im Jahr 2006 wurden in Deutschland 4,4 Millionen Fahrräder gebaut und verkauft. Hinter jedem Radfahrer steht ein großer Industriezweig mit tausenden Arbeitsplätzen in Produktion und Verkauf. Das Fahrrad ist nicht nur ein "Freizeitvehikel", sondern wie das Auto auch ein täglich genutztes Verkehrsmittel. Auch unter diesem Blickpunkt sehe ich die Diskussion und die Debatte rund ums Rad. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe und steigender Benzinpreise werden sowieso über kurz oder lang viele Autofahrer aufs Fahrrad "umsatteln". Wahrscheinlich werden bis dahin viele neue Bodenwellen die Brandenburger Radwege "zieren".

Solidarität mit Tallinn notwendig

Mehr als 60 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges ist meiner Meinung nach jetzt die Zeit herangekommen, auch in Frankfurt (Oder) so konsequent zu handeln wie vor kurzem in Tallinn (Estland):

In Frankfurt sollte das marode sowjetische Kriegerdenkmal auf dem städtischen Anger an der Walter-Korsing-Straße abgebaut und dafür eine würdige Gedenkstelle auf dem städtischen Friedhof in weniger monströser Art errichtet werden.

Danach kann man den Anger tatsächlich wieder in seinen ursprünglichen Zustand als städtische Parkanlage herstellen. Ich bin mir sicher, dass diese Umgestaltung langfristig gesehen beschlossen werden wird. Wenn nicht durch die jetzigen politischen Verantwortlichen, dann eben durch eine der nächsten Stadtverordnetengenerationen.

Die Zeit der sowjetischen Besatzung ist 1994 offiziell beendet worden. Nur in dieser Besatzungszeit war das Errichten des inzwischen maroden Besatzerdenkmals auf dem Frankfurter Anger möglich. Ich bewundere den Mut der Tallinner Politiker, die eine Auseinandersetzung nicht gescheut und sich letztendlich durchgesetzt haben. Solch einen Mut wünsche ich mir von heutigen deutschen Politikern in ganz Ostdeutschland.

Offener Brief an das Klinikum Frankfurt (Oder)

Als Reaktion auf eine Meldung in der Märkischen Oderzeitung vom 01.04.06 schrieb ich folgenden Offenen Brief an den Geschäftsführer des Klinikums Frankfurt (Oder) und an einige Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt: Offener Brief vom 06.04.2006 zum Vorhaben des Klinikums Frankfurt (Oder): "5.000 Euro für Große Familie" Sehr geehrter Herr Stähler, am 01.04.2006 veröffentlichte die Märkische Oderzeitung einen Artikel unter der Überschrift "5.000 Euro für Große Familie". Ich setze voraus, dass die Meldung ernst gemeint ist und der Artikel kein April-Scherz sein sollte und nur zufällig am 1. April veröffentlicht wurde. Ich protestiere gegen Ihre Absicht, eine kommunale Seniorenweihnachtsfeier zu sponsoren. Aus der beiliegenden Kopie meines Leserbriefes vom 07.01.2006 geht hervor, warum ich auch dagegen protestiere. Wir waren und wir sind in Frankfurt (Oder) keine "Große Familie". Gleichzeitig stelle ich Ihnen die Frage, warum das Klinikum keine eigene Weihnachtsfeier für seine ehemaligen Mitarbeiter und heutigen Rentner veranstaltet? Stattdessen will das Klinikum 5.000 Euro wie mit einer Giesskanne über die ach so armen Rentner verteilen. Dabei ist inzwischen landesweit bekannt, dass die heutigen Rentner die reichsten Alten aller Zeiten in Deutschland sind. Deutschland ist noch immer Reiseweltmeister aufgrund der reisenden deutschen Rentner. Gleichzeitig gehen jeden Tag viele Frankfurter Kinder ohne ausreichende Verpflegung in die Schule. Viele arme Frankfurter Eltern können ihren Kindern keine Reisen finanzieren. Die mangelnde Integration von Kindern aus sozial schwachen Familien zeigt auch in Frankfurt (Oder) bereits seine Wirkungen. Frankfurt (Oder) ist in Deutschland die einzige Stadt, die unter dem verlogenen DDR-Motto "Wir sind eine große Familie" eine kommunale Rentner-Weihnachtsfeier ausrichtet und dazu alle Stasi-Rentner und SED-Funktionärs-Rentner einlädt. Ich fordere das Klinikum Frankfurt (Oder) auf, die angekündigte Unterstützung für die kommunale Weihnachtsfeier mit Stasi- und SED-Rentnern in Frankfurt (Oder) zurückzunehmen. Spenden Sie für soziale Kinderprogramme! Wenn die alten SED-Kader zusammen feiern wollen, sollen sie einen Verein gründen und ihre Feier selbst organisieren und selber bezahlen. SED-Rentner haben ihre Lobby und eigene Mittel. Welche Lobby haben Frankfurter Kinder aus sozial schwachen Familien? Woher kommen Ihre 5.000 Euro? Angesichts der aktuellen Diskussionen über unser angeblich marodes Gesundheitssystem steht diese Frage im öffentlichen Raum? Wieso will das Frankfurter Klinikum solch eine Summe für viele wohlhabende Rentner ausgeben, obwohl gleichzeitig viele Kinder- und Jugendprojekte in unserer Stadt unter permanenter Unterfinanzierung leiden? In Frankfurter Schulen fehlt ständig Geld für notwendige Sanierungen und für soziale Projekte. Ich fordere das Frankfurter Klinikum auf, sich dort finanziell zu engagieren, wo es sozial am notwendigsten ist. Viele Frankfurter Kinder- und Jugendprojekte brauchen Unterstützung. Die mediale Resonanz mag nicht so spektakulär sein wie bei einer Rentnerweihnachtsfeier, über die Journalisten gern in Zeitungen und oberflächlich im Fernsehen berichten. Ein schaler Beigeschmack bleibt zurück.

"Wir" waren und "wir" sind keine "Große Familie"

Als Antwort auf den Leserbrief eines Herrn D. veröffentlichte am 07. Januar 2006 die Frankfurter Regionalzeitung DER ODERLAND-SPIEGEL meinen Leserbrief zum Thema: "Wir waren und wir sind keine "Grosse Familie":

Werter Herr W.D., es stimmt. Ich habe keinen Respekt - Ihnen gegenüber. Und gegenüber allen ehemaligen haupt- und nebenberuflich tätigen Stasi-Rentnern. Gegenüber allen haupt- und nebenberuflich tätigen SED-Funktionärs-Rentnern (im weiteren Text: "SED-Rentner"). Gegenüber all denen, die sich in der DDR anmaßten, mir zu sagen: "Wir sind eine große Familie".
Jeder, der sich von dieser "großen DDR-Familie" distanzieren wollte, wurde unfreundlich mit Berufsverbot bedroht. Jeder, der hartnäckig aus der "grossen DDR-Familie" raus wollte, musste mit Gefängnis rechnen. Viele wurden bei ihrem Versuch, diese "grosse DDR-Familie" zu verlassen, an der Grenze erschossen. Nein, ich habe keinen Respekt vor Ihnen und ihresgleichen. Meinen Respekt haben Sie nicht "verdient". Ich bedanke mich bei Ihnen auch nicht für Ihre "Verdienste" um die Stadt Frankfurt (Oder) oder das Land DDR, in dem ich auch gelebt habe. Diese sogenannte "grosse Familie" war und ist für mich eine zynische SED-Propagandalüge - und es war und es ist eine der Lebenslügen der Generation Krause & Co.
In ein paar Jahren werde auch ich Rentner sein. Aber ich werde dann nicht mit dem SED-Polit-Rentner Fritz Krause (2), mit Stasi-Rentnern und anderen SED-Rentnern unter dem Motto "Wir sind eine große Familie" Kaffee trinken und schunkeln.
Ich fordere die Frankfurter Stadtverwaltung bereits heute auf, meinen Namen aus der Einladungsliste zu löschen. Den Geldbetrag aus dem Veranstaltungsposten, der anteilig auf meine Person entfallen würde, sollten die Frankfurter Stadtpolitiker dann an ein Jugendprojekt oder einen Jugendsportverein vergeben.
Ich weiß, daß einige Frankfurter in dieser Sache auch so wie ich denken. Ich rufe sie hiermit auf, sich ebenfalls an die Frankfurter Stadtverwaltung zu wenden, um ihren Namen aus der Einladungsliste für diese sogenannte "Grosse Familie" löschen zu lassen. Es ist an der Zeit, neue Traditionen zu entwickeln (3), in denen kein Profilierungsplatz mehr ist für SED-Polit-Rentner Fritz Krause & Co.

Anmerkung 1 bis 5:
1. Unter dem propagandistischen Titel "Wir sind eine grosse Familie" wurden in Frankfurt (Oder) seit 1965 im Dezember kommunal finanzierte Rentner-Weihnachtsfeiern durchgeführt.
2. Fritz Krause war in Frankfurt (Oder) SED-Oberbürgermeister von 1965-1990. Seit seiner Abdankung infolge der politischen Veränderungen 1989/90 hat er es in den Jahren seit 1990 mit Hilfe der SED/PDS/Linke und seiner alten SED-Anhänger geschafft, sein Wirken als OB in Frankfurt zu verklären. Er ließ sich noch bis zu seinem Tod 2012 als "Gallionsfigur" der alten SED-Zeiten und ihrer Anhängerschaft in der Öffentlichkeit hofieren. Dabei helfen ihm und seinen Anhängern natürlich die schwierigen Gegenwartsprozesse und die Schwächen der nachfolgenden Frankfurter Oberbürgermeister.
3. An jenem Wochenende (07.+08. Januar 2006), als mein oben zitierter Leserbrief im Oderland-Spiegel veröffentlicht wurde, gab es einen Ansturm von vielen anonymen Telefonanrufern. U.a. fand ich auch eine Morddrohung auf meinem Anrufbeantworter. So sind sie halt, die alten ehemaligen Stasi-Mitläufer, Stasi-Täter und SED-Funktionäre. Das war, ist und bleibt ihr Handwerk bis zu ihrem letzten Atemzug: Einschüchterung, Zersetzung, Denunziation, Bedrohung bis hin zur psychischen und physischen Vernichtung. Tatsache aber ist: Ihre Herrschaftszeit ist beendet. Die Erinnerung daran bleibt bestehen: nicht nur bei den Tätern, sondern erst recht bei deren Opfern. Deshalb: "Wir" waren und "wir" sind keine "grosse Familie". Die Täter leben noch unter uns. Manche davon auch in Seniorenheimen.
4. In dem Veranstaltungstitel "Wir sind eine große Familie" sehe ich die Lebenslüge der Krause-Generation samt Anhänger. Viele Frankfurter haben bis zum Herbst 1989 ganz andere Alltagserfahrungen mit dem SED-Regime gemacht, als es dieser Propaganda-Titel suggeriert. Auch heute machen viele ältere Frankfurter Erfahrungen in ihrem Alltag, die ihnen Anlass geben, Einladungen zur kommunalen Senioren-Propagandafeier in zunehmendem Maße zu ignorieren. Das Verhältnis der Eingeladenen zu den tatsächlichen Teilnehmern sank bereits auf 30 Prozent. Diese Tendenz verdeutlicht einen Widerspruch, den die politische Klasse und die Medien in Frankfurt bisher noch ignorieren!
5. Meinen Protest gegen die beabsichtigte Spende des Klinikums Frankfurt (Oder) zugunsten der Veranstaltung "Wir sind eine Große Familie" habe ich der Leitung des Krankenhaus-Konzerns schriftlich in einem offenen Brief vom 06.04.2006 mitgeteilt. Daraufhin hat dieser Klinik-Konzern sein Sponsoring für diese Veranstaltung eingestellt!

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur hat im Januar 2017 das Internet-Portal "Zeitzeugen" freigeschaltet. Das Zeitzeugenportal richtet sich an all diejenigen, die mehr über die Menschen erfahren wollen, die in der Zeit von 1945 bis 1989 auf dem Gebiet des Landes Brandenburg Widerstand leisteten, politische Verfolgung erlitten und Unrecht oder Willkür der SED-Herrschaft erlebten. [Zum Portal "Zeitzeugen"]