08.10.2007

Zum Dokumentarfilm „Volkseigener Krause“

Erstmals hat ein Dok-Film einer Wessi-Frau fast 700 grauhaarige Frankfurter in der Marienkirche dazu gebracht, sich in einer öffentlichen Gruppentherapie-Sitzung mit ihrer DDR-Vergangenheit zu beschäftigen. Diese Veranstaltung hat vor allem eines gezeigt: Nur durch 25jährige Selbstverleugnung und Totalanpassung an das herrschende SED-Regime konnte der halbgebildete Herr Krause diese Funktion ausüben. Bekannt ist, dass Herr Krause lediglich eine Parteihochschule von innen gesehen hat. Bekannt ist eben auch, dass in den Reihen von DDR-Funktionsträgern eine Krankheit stark grassierte: der Alkoholismus. Der Leiter des Büros Krause war dafür z.B. bekannt und berüchtigt. Nur mit starken Getränken haben viele dieser SED-Parteigänger jene Widersprüche und Missverhältnisse ausgehalten, die letztendlich trotzdem das System DDR zum Einsturz brachten. Viele Familienmitglieder haben in der DDR unter dieser Krankheit mitgelitten. Bekannt ist z.B., dass der Sohn des Herrn Krause an den Widersprüchen seines angepassten Vaters verzweifelt ist und ein stadtbekannter Trinker war.

Enttäuschend ist die Naivität der Wessi-Regisseurin, die lediglich symbolhafte Orte ausgewählt hat, um Herrn Krause eine Plattform zur Selbstdarstellung zu bieten. Verständlich deshalb die Enttäuschung vieler Besucher, die ihre Erwartungen an den Film getäuscht sahen. Andere Zuschauer zeigten bei der Film-Präsentation, was sie noch immer am meisten verdrängen: die DDR-Wirklichkeit.

Kommentare:

  1. Anonym8.10.07

    Ich finde es erschreckend, in welch rosaroten Farben manche Frankfurter Rentner die Zeit der roten SED-Diktatur und "ihren" Oberbürgermeister darstellen. Herr Krause war nicht "unser" Bürgermeister. Er war der Bürgermeister der unkritischen getreuen Genossen und er war mit dafür verantwortlich, dass bis 1989 hunderte kritischer Frankfurter die Stadt trotz vorhandener Arbeitsplätze per Flucht oder per Ausreiseantrag verlassen haben, weil ihnen ihre FREIHEIT wichtiger war. Ein Wort, dessen tiefere Bedeutung den alten SED-Anhängern offenbar noch immer unbekannt ist. Auch das ist eine Frage der Bildung.
    Kerstin Schumann

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  2. Anonym7.11.07

    = Wiedergabe eines Leserbriefes, veröffentlicht im Oderland-Spiegel am 20.10.2007 =

    BANDITEN

    Lesermeinung zum Film "Die Frau vom Checkpoint Charlie", der den Kampf einer Mutter in der Bundesrepublik um ihre Töchter in der DDR zeigt.

    Ich kann nicht vergessen, dass die Berliner links wählen und vieles vergessen haben: Die Trümmerfrauen, die Mauer, die Blockade, den Gloria-Einzug der Amerikaner und Kennedys "Ich bin ein Berliner ". Der Film stellt auf erschütternde Weise die Handlanger der ehemaligen Verbrecher des DDR-Regimes dar. Noch schlimmer ist jedoch, dass diese skrupellosen Banditen nach Erlangung des Persilscheins wieder in führenden Positionen agieren.

    S.K.

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  3. Anonym7.11.07

    = Zitat eines Leserbriefes, veröffentlicht im Oderland-Spiegel am 27.10.2007 =

    Konrad Adenauer hatte Schuld

    Lesermeinung zum Leserbrief "Banditen" von S.K.

    Wie kann ein Bürger, der selbst schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, so über Repräsentanten der ehemaligen DDR schreiben und in diesem Zusammenhang von Verbrechern und Banditen sprechen. Daß in der 40-jährigen Geschichte der DDR nicht alles so abgelaufen ist, wie es sich manch einer gewünscht hat, ist verständlich und hat auch seine Ursachen. Die Misere begann doch mit der Spaltung Deutschlands und der Politik des kalten Krieges in Europa, an der der erste Bundeskanzler der BRD, Konrad Adenauer, im Interesse des deutschen Kapitalismus/Imperialismus entscheidenden Anteil hatte. Zum Schutz der demokratischen Errungenschaften in der DDR mußten zwangsläufig Maßnahmen eingeleitet werden, wie sie heute noch im Grenzgebiet zwischen USA und Mexico bestehen und weiter ausgebaut werden. Über diese im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bestehenden Verhältnisse wird wohlweislich geschwiegen. Wie soll man nun die in der ersten Bundesrepublik Deutschland ab 1949 vom Nazi-Reich übernommenen hochkarätigen Personen bezeichnen, die zunehmend in höchste Staats-, Justiz- und Militärfunktionen gelangten und maßgeblich am Strukturaufbau der BRD beteiligt waren? Verbrecher, Banditen?

    W.D.

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  4. Anonym7.11.07

    = Zitat aus einem Leserbrief, veröffentlicht im Oderland-Spiegel am 03.11.2007 =

    Die eigenen Bürger einsperren

    Meinung zum Leserbrief "Konrad Adenauer hatte Schuld"

    Natürlich lässt sich über den Sinn und Inhalt des Begriffs "Banditen" trefflich streiten. Sicher ist aber, dass das Staatsgebilde "DDR" in vielerlei Hinsicht verbrecherisch war und man heute vom "Unrechtsstaat DDR" spricht. Dass Herr W.D. aber heute noch nach über 17 Jahren der Wiedervereinigung sich als ewig Gestriger, der offenbar immer noch nichts hinsichtlich Demokratie in einem Rechtsstaat gelernt hat, offenbart, indem er vom notwendigen "Schutz der sozialistischen Errungenschaften der DDR" spricht und damit die Mauer und die unmenschlichen Grenzbefestigungen im Verlauf der damaligen, aus westdeutscher Sicht sogenannten "Innerdeutschen Grenze", im DDR-Jargon "antiimperialistischer Schutzwall" genannt, welcher merkwürdigerweise mit Minen und Selbstschussanlagen etc. innerhalb des "DDR-Territoriums" geradezu gespickt war, als demokratisch notwendig bewertet.

    Seit wann ist es demokratisch, die eigenen Bürger einzusperren und sie in schlimmster Weise durch ausgeklügelte Tötungsmaschinen zum Bleiben zu zwingen? Dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland die Schuld der deutschen Teilung unterzujubeln, ist reinrassige DDR-Propaganda und historisch absoluter Blödsinn! Ulbricht, Honecker und Genossen lassen grüßen!
    In die gleiche Kategorie der böswilligen Geschichtsverfälschung gehört der Vergleich des antiimperialistischen Schutzwalls der DDR mit den Grenzbefestigungen zwischen USA und Mexico. Auch wenn ich diese Grenzbefestigungen nicht gutheiße, so ist diese Grenze keinesfalls mit der damaligen Mauer durch Berlin und die innerdeutsche Grenze zu vergleichen.
    1. gibt es dort keine Tötungsmaschinen wie zu DDR-Zeiten;
    2. ist diese Grenzbefestigung nicht nach innen gegen die eigenen Bürger gerichtet, wie in der DDR;
    3. wollen die USA damit das Problem der illegalen Einwanderung und Schwarzarbeit in den Griff bekommen und nicht die Ausreise US-amerikanischer Bürger verhindern.

    Schließlich ist es vermessen und ausgesprochen dumm zu behaupten, die Bundesrepublik Deutschland sei im wesentlichen von "ab 1949 vom Nazi-Reich übernommenen hochkarätigen Personen", die zunehmend in höchste Staats-, Justiz- und Militärfunktionen gelangt seien, und "maßgeblich am Strukturaufbau der BRD beteiligt" seien, aufgebaut worden. Hier fehlt jedoch der Beweis! Natürlich gibt es immer am Ende eines verbrecherischen Systems "Überlebende", die rechtzweitig ihr "Schäfchen ins Trockene gebracht" haben und ihre wahre Identität geschickt verschleiert haben. Solche Gestalten nannte man nach der Wiedervereinigung am 03.10.1990 "Wendehälse", von denen es leider heute immer noch einige in verantwortungsvollen Ämtern in Staat und Gesellschaft gibt. Dieses Phänomen hat es übrigens in der damaligen "SBZ" und späteren DDR auch gegeben, indem sich ehemalige Nazis dort engagierten, nachdem sie ihre Nazivergangenheit geschickt "getarnt" hatten.

    Herr W.D. sollte seine Verehrung der damaligen DDR-Repräsentanten für sich behalten, das ist sein gutes Recht, aber er sollte alle demokratisch gesinnten Deutschen mit seiner von DDR-Propaganda verfälschten Politik- und Geschichtsdarstellung verschonen! Das brauchen wir heute wirklich nicht mehr. Vielleicht könnte er damit in Cuba noch Karriere machen?! Ich empfehle Herrn W.D., doch einmal einen Besuch in der Frankfurter Zweigstelle der Birthler-Behörde/U.S.T.E. (ehem. Gauck-Behörde) in der Fürstenwalder Poststraße zu machen. Dort könnte er zu der Überzeugung gelangen, dass der Glorienschein, mit dem er die Repräsentanten der damaligen DDR umgibt, sehr schnell erlischt und die von ihm so gefeierten "demokratischen Errungenschaften" ad absurdum geführt werden!

    M.-G.Fr.v.K.

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  5. Manfred Wahlheimer30.8.12

    Gruseliger Film

    Ich stelle mir vor, diese Film-Dame hätte durch "Zufall" nicht neben Krause, sondern neben der Mitbegründerin des Neuen Forums in Frankfurt (Oder), Frau Renate Bauer, eine Wohnung bezogen: Welch anderes Bild und welch andere Geschichten hätte sie von Frankfurt (Oder) und seinen Bewohnern wahrnehmen können! Aber sie hat nur vom "Zufall" das Regiebuch schreiben lassen: Das Ergebnis ist leider ein gruseliger Propagandafilm.

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